Erkrankung d. Eltern

Die psychischen Erkrankungen der Eltern

Die Erkrankung der Eltern nimmt oft sehr viel Raum im Leben der Kinder ein – meistens zu viel Raum. Daher soll ihr auf dieser Website so wenig Raum wie möglich, aber so viel Raum wie nötig zur Verfügung gestellt werden. Da die Belastungen der Kinder allerdings eng mit der elterlichen Erkrankung verknüpft sind, werden die Erkrankungen der Eltern, auf die sich die Initiative spezialisiert hat, kurz eingegangen entsprechende weiterführende Informationen hingewiesen.

Wer ist überhaupt psychisch erkrankt?

Eine psychische Störung ist eine krankhafte Beeinträchtigung der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens, oder Verhaltens. Auch das Selbstbild (Selbstwahrnehmung) kann verändert sein. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Störungen ist zudem oft eine verminderte Selbstregulationskompetenz. Ist dies der Fall, können die Betroffenen ihre Erkrankung auch durch verstärkte Bemühungen, Selbstdisziplin oder Willenskraft nur schwer oder gar nicht beeinflussen.

Wann ist ein Mensch nur „normal gestört“ (den Begriff der Normalgestörten habe ich von der Psychologin Stefanie Stahl aufgegriffen) und wann ist er psychisch erkrankt?
Es gibt viele Menschen, die sich aus Sicht ihrer Mitmenschen eigenartig und „schwierig“ verhalten und deren Überzeugungen oder Gefühlszustände für andere schwerer nachvollziehbar sind. Doch deshalb sind sie nicht gleich automatisch psychisch erkrankt bzw. psychisch gestört. 

Es bleibt schwierig zu definieren, wann genau die Schwelle von Gesundheit zur Krankheit überschritten ist. Dieser Übergang ist fließend. Mit Antonowskis Worten (1997) ausgedrückt: Der Übergang zwischen Krankheit und Gesundheit ist ein Kontinuum und nicht ein Entweder-Oder. Das wird besonders bei den Persönlichkeitsstörungen deutlich.

Hinzu kommt, dass psychische Erkrankungen und die Behandlung der Erkrankten auch stets eine Frage des Zeitgeistes, deren wissenschaftlicher Erkenntnisse und der gesellschaftlichen Haltungen waren.  Auch die Diagnostik-Handbücher (ICD-10 und DSM-V), in denen die Symptome psychischer Störungen definiert sind, werden daher immer wieder aktualisiert und neue Erkenntnissen angepasst.

Einteilung und Diagnostik psychischer Störungen

Die Klassifikation psychischer Störungen war lange Zeit länderspezifisch sehr unterschiedlich. Bis heute werden einzelne Aspekte der Klassifikationsansätze kontrovers diskutiert. Im Wesentlichen spielen heute zwei Diagnose- und Klassifikationsschemata eine Rolle in der klinischen Anwendung:

  • das weltweit in der Anwendung verbreitete ICD-10, Kapitel V (Psychische und Verhaltensstörungen F00 bis F99) (demnächst 11) der WHO, das auch in Deutschland angewendet wird und
  • das besonders in der psychiatrischen und psychologischen Forschung gebräuchliche DSM-V der American Psychiatric Association

Diagnosen, die nach diesen Einteilungen gestellt werden, berücksichtigen Denkweisen, Gefühlszustände und Verhaltensweisen sowie körperliche Symptome des betroffenen Menschen. Außerdem ist oftmals eine gewisse Dauer für ihr Vorliegen ausschlaggebend.

Tipp zur praxisnahen Darstellung psychischer Störungen für Nicht-Fachkräfte

Um mit Angehörigen der Erkrankten und Unterstützern der Familie, die keine Psychiatrie-Ausbildung haben, über bestimmte psychische Störungen ins Gespräch zu kommen und über einen hilfreichen Umgang mit den Symptomen des Erkrankten zu sprechen, hat sich eine Aufschlüsselung der Symptome des Erkrankten, die zu den einzelnen Störungsbildern gehören, in folgende vier Bereiche bewährt:

  • Gefühle/Fühlen
  • Gedanken/Denken/Überzeugungen
  • Verhaltensweisen und
  • körperliche Symptome

Gemeinsam kann überlegt werden, was davon für Außenstehende wie wahrnehmbar ist und was nur im Innenleben des Erkrankten stattfindet.

Wenn stärkende Gespräche mit Kindern über die Erkrankung ihrer Eltern geführt werden, ist diese Einteilung ebenfalls hilfreich, da auf dieser Basis überlegt werden kann, was davon ein Kind bei seinem erkrankten Elternteil an Symptomen überhaupt wahrgenommen hat. Gedanken sind beispielsweise nur für andere wahrnehmbar, wenn sie geäußert werden oder zu Handlungen/Unterlassen führen.

Spezialisierung der Initiative „Netz und Boden“ auf ausgewählte psychische Störungen seitens der Eltern

Die Initiative „Netz und Boden“ hat sich auf bestimmte psychische Störungen seitens der Eltern spezialisiert:

Das hängt mit den Wurzeln der Initiative, die in der Selbsthilfe liegen, zusammen. Dort kamen vor allem Kinder zusammen, deren Eltern unter den ersten drei Störungsbildern (chronisch) litten. Hier war der Unterstützungsbedarf der Kinder selbst als Erwachsene enorm. Diese Erfahrungen spiegeln sich auch bei den anderen Angehörigengruppen psychisch Kranker wieder. Vor allem Kinder psychotischer Eltern sind – oft bis zum Tod der Eltern – speziellen Belastungen ausgesetzt, die vor allem mit dem völligen Realitätsverlust des Erkrankten und den gesetzlichen Bestimmungen zur Behandlung bei Psychosen einher gehen.

Das Störungsbild der Borderline-Persönlichkeitsstörung bzw. das der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung wurde von der Initiative aufgegriffen, da es oft als Folge bei erwachsen gewordenen Kindern (vor allem Töchtern) auftrat, die bei Müttern aufgewachsen sind, die unter schwerwiegend psychotischen Symptomen litten und die als Kinder sehr vernachlässigt worden sind.

Diese Spezialisierung und Begrenzung auf die oben genannten Krankheitsbilder bedeutet jedoch nicht, dass Kinder, deren Eltern unter anderen psychischen Erkrankungen leiden, nicht auch belastet sind und Unterstützung benötigen.

1. Schizophrenie

Schizophrenie wird manchmal immer noch mit Psychose synonym verwendet. Dabei gibt es noch andere Störungen, die ebenfalls mit Psychosen einhergehen können wie ein schwerer manischer Zustand (affektive Psychose) oder Mischzustände bei denen Menschen Symptome aus beiden Erkrankungen zeigen, so genannte schizo-affektive Psychosen. 

Rund 1 Prozent der Gesamtbevölkerung (= ca. 800 000 Personen in Deutschland) leidet im Laufe seines Lebens an Schizophrenie, wobei nur jeder Dritte sich ärztlich behandeln lässt; Frauen und Männer sind nahezu gleich oft betroffen. Wortwendungen wie „Bist Du schizophren?“ sind in aller Munde, doch trotzdem können die meisten Menschen mit der Krankheit wenig anfangen: Sie haben eine vage Vorstellung von bestimmten Krankheitszeichen, die befremden, vielleicht sogar Angst und Schrecken verbreiten, was durch die Darstellung in den Medien verstärkt wird, aber Genaues weiß man letztlich nicht. „Schizophrenie, das heißt doch, dass jemand gespalten ist, also zwei Persönlichkeiten hat. Das sind Geisteskranke, die hören und sehen Dinge, die es in Wirklichkeit nicht gibt.“ Das ist die weit verbreitete Laienvorstellung, die zwar nicht falsch, jedoch einseitig ist. Andererseits bringt es auch nichts, wenn die tatsächlich irritierenden oder schockierenden Symptome selbst von Fachleuten unterschlagen oder zumindest beschönigt werden. Da es mehrere Untergruppen der Schizophrenie gibt, so dass eigentlich von Schizophrenien gesprochen werden müsste, und der Krankheitsverlauf vom einmaligen Schub bis zum chronischen Verlauf reicht, ist die Bandbreite der Symptome und ihrer Ausprägungsstärke groß.

Charakteristische Schizophrenie-Symptome laut der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD 10) sind:

  • Gedanken, die eingegeben oder entzogen werden, die sich laut äußern oder sich gar auf andere Personen auszubreiten scheinen.
  • Das Gefühl, auf widernatürliche Weise beeinflusst und kontrolliert zu werden (z. B. Gedanken, Bewegungen, Empfindungen als „von anderen gemacht“ zu erleben).
  • Wahn, vor allem wahnhafte Beeinflussung und Verfolgung, aber auch Größenwahn, Liebeswahn usw., evtl. komplizierte Wahnsystemen.
  • Halluzinationen, also Sinnestäuschungen bezüglich Geruch, Geschmack und Tastsinn, vor allem aber Gehör (der Betreffende glaubt, vergiftet, bestrahlt, elektrisiert zu werden und/oder Stimmen zu hören)
  • Einschiebungen in den Gedankenfluss, die zu Wortneubildungen und zu einer unverständlichen Sprache führen, bis hin zur „Zerfahrenheit“.
  • Erregung oder Erstarrung bis hin zur Bewegungslosigkeit, einschließlich Verstummen.

Durch die krankhaften Erlebnisse verändern sich die erkrankten Menschen. Charakteristische Veränderungen sind:

Auftreten: distanzlos, enthemmt, ungeniert, albern, frech, schnippisch, skurril

Äußeres Erscheinungsbild: sonderbare, eigenwillige, auffällige Kleidung, mangelnde Körperpflege, wallendes Haupthaar, langer Bart, extremes Make-up bis hin zur „erschreckenden Kriegsbemalung“

Gestik / Bewegung: starr, steif, eckig, ruckartig, abgehackt, verzerrt, abrupt, fahrig

Mimik: Der Gesichtsausdruck ist scheinbar grundlos gespannt, geladen, argwöhnisch, misstrauisch, verängstigt, versonnen, unbegründet beglückt, unfreundlich-ablehnend oder leer, steif, starr, hoheitsvoll oder gar bedrohlich bis hin zur Grimasse; oft tritt ein „Schizophrener Blick“ auf, ein symptomatischer Augenausdruck, der oft verstört, ratlos, ängstlich, aber auch aggressiv, brennend, stechend und auf die Umwelt sehr irritierend, beängstigend oder bedrohlich wirkt.

Sprache / Schreibstils / Schrift: „Stelzensprache“ verschroben, mit ungewohnter, gesuchter, abstrakter und geschraubter Redeweise und hochtrabenden Formulierungen; Wortneubildungen, sprachliche Wiederholungen, Entwicklung einer persönlichen Geheimsprache oder ordinär-sexualisierte Wortwahl; Schrift wird symbolträchtig „verschlüsselt“

2. Bipolare Störungen (manisch-depressiv)

Es gibt bei den affektiven Störungen unipolare und bipolare Verläufe (manisch-depressive Störung). Unipolar können Depressionen auftreten. Dann gibt es noch Depressionen im Wechsel mit Manien. Menschen, die ausschließlich Manien ohne Depressionen entwickeln, sind sehr selten und mir in der Praxis weder direkt noch indirekt begegnet.

Kennzeichen der Manie sind :

1. Affektstörungen: Inhalts- bzw. motivlos gehobene Stimmung mit mitreißender Heiterkeit und strahlendem Optimismus, die jedoch umschlagen kann in gereizte Missstimmung bis hin zu stark verbalen Aggressionen und Tätlichkeiten gegen Personen oder Mobiliar, insbesondere wenn der Maniker sich in seiner Aktivität behindert fühlt. Diese Enthemmung ist charakteristisch, von (anzüglichen) Witzen bis hin zu Beleidigungen, Dabei kennt der Maniker keine Grenzen und nimmt auch die Grenzen anderer Menschen nicht war.

2. Störungen des Antriebs: Krankhaft gesteigerter Taten- und Beschäftigungsdrang, unermüdliche Betriebssamkeit einhergehend bei einem gesteigerten seelisch-körperlichen Wohlbefinden mit einem gemindertem bzw. keinem Schlafbedürfniss, z. B. Schreibexzesse, nächtliche Aufräumaktionen, Überlautstärke(z. B. bei Musik) zu jeder Tages- und Nachtzeit Jedes Verhältnis zum Geld fehlt, Kaufrausch bis hin zur Verschwendungssucht, es werden objektiv nutzlose Gegenstände gekauft und teilweise auch verschenkt, Verträge geschlossen, Geld gespendet, verspielt oder verschenkt, Schulden aufgenommen, Firmen gegründet, Katalogangebote aufgekauft, etc.; der Maniker will immer im Mittelpunkt sein und hat einen direkten oder indirekten Bewegungsdrang: Maniker laufen ziellos weite Strecken, verreisen spontan wahllos oder haben eine schnelle, laute und kaum zu unterbrechende Sprechweise, eine theatralisch wirkende Mimik, dramatische Gesten, Reden oder gar Gesänge. Dabei ist der gesteigerte Rededrang mit einem erhöhten Sprechtempo verbunden.

3. Denkstörungen: Ständiger Wechsel des Denkziels durch immer neue Einfälle, leicht ablenkbar, es wird von einem Thema zum anderen gesprungen, Wortschöpfungen bis hin zur Denkzerfahrenheit; der Maniker hat dabei kein Gefühl mehr für das Interesse seines Gegenübers.

4. Wahnzustände: einhergehend mit dem überzogenem Selbstwertgefühl und Kritikschwäche, teilweise mit grotesker Selbstüberschätzung und krankhaften Größenideen, die sich auf religiöse, sexuelle, wirtschaftliche, künstlerische, finanzielle und politische Inhalte beziehen; Liebeswahn: spontanes Verliebtsein mit unrealistischer, fast traumhafter Verklärung, Missbrauch von Substanzen mit Wirkung auf das Zentrale Nervensystem, z. B. Alkohol und Nikotin, der als solcher nicht wahrgenommen wird.
Einen guten Überblick erhalten Sie in diesem Film:

3. Schizo-affektive Psychosen

Wie der Name schon andeutet, weißt eine schizoaffektive Psychose gleichzeitig ein ausgesprochen depressives oder manisches sowie ein ausgeprägtes schizophrenes Krankheitsbild auf. Dieses Leiden tritt häufig innerhalb weniger Tage oder gar Stunden auf und äußert sich häufig dramatisch, so dass rasch psychiatrisch eingegriffen werden muss.

4. Zusammenfassung

Alle Psychosen haben folgendes gemeinsam:

  1. eine tiefgreifende Störung des Realitätsbeziehung
  2. Auftreten produktiver Symptome wie Wahn oder auch Halluzinationen und
  3. einen zeitlich wechselnden Verlauf, der die Krankheit als Einbruch in die Kontinuität der Entwicklung, der Erlebens und des Verhaltens erscheinen lässt.

Die Krankheitseinsicht dieser Menschen ist daher krankheitsbedingt herabgesetzt, so dass sie nur selten freiwillig in einem akuten Schub in ärztliche Behandlung begeben.

Quellen:

Faust, Volker: Seelische Störungen heute: Wie sie sich zeigen und was man tun kann, 1. Auflage, München 1999

Remschmidt, Helmut, Mattejat, Fritz: Kinder psychotischer Eltern. Mit einer Anleitung zur Beratung von Eltern mit einer psychotischen Erkrankung, 1. Auflage, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle 1994

Depressionen

Depressionen werden in der Allgemeinbevölkerung häufig verwechselt mit Verstimmungszuständen und Trauerreaktionen, die beides natürliche Reaktionsweisen auf Lebensumstände sind. Auch gibt es nicht die eine Depression; es sollte nach Ursache, Verlauf und Beschwerdebild unterschieden werden.

Mögliche Kennzeichen einer krankhaften Depression sind :

    1. Seelische Symptome: Verlust von Interesse und Freude; Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, Niedergeschlagenheit von abnormen Ausmaß, „tränenlose Trauer“, Entscheidungsunfähigkeit, Grübeln; Hoffnungslosigkeit und Angstzustände, insbesondere Zukunftsängste; Schwermut: Lebensüberdruss bis hin zur Suizidgefahr
    2. Körperliche Krankheitszeichen: Schlafstörungen, verändertes Essverhalten: kein Appetit oder Heißhunger; psychosomatische und vegetative Beschwerden, allgemeines Elendigkeitsgefühl, sich wie zerschlagen fühlen, Merk- und Konzentrationsstörungen
    3. Störungen des Antriebs: unnatürliche tiefe Müdigkeit, verminderter Antrieb bis hin zur Apathie und seelisch-körperlicher Blockierung oder körperliche Unruhe und innere Getriebenheit
    4. Beziehungsstörungen: Unfähigkeit, mit anderen mitzufühlen, zwischenmenschliche Zuwendung und Wärme zu vermitteln, innere Leere mit Absterben aller Gefühle
  1. Depressiver Wahn: Verarmungsideen bis zum Verarmungswahn, obwohl die finanzielle Lage gut ist; Hypochondrischer Befürchtungen bis hin zum Wahn; Schuld- und Versündigungswahn; paranoide Fehldeutungen, gelegentlich Verfolgungsideen, jedoch mehr furchtsam und gedrückt, weniger reizbar und aggressiv wie bei Schizophrenen; Sinnestäuschungen, gelegentlich Halluzinationen
Weiterführende Websites/Links

Kompetenznetz Depression

 

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung bzw. emotional instabile Persönlichkeitsstörung ist durch ein durchgängiges Muster von Instabilität im Bereich der Stimmung, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Selbstbildes gekennzeichnet.

Um eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren, werden im DSM-IV folgende Kriterien herangezogen, von denen fünf oder mehr erfüllt sein müssen:

  1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden (außer Suizid oder Selbstverletzungen, siehe auch 5.
  2. Ein Muster an instabilen aber intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch einen Wechsel zwischen den beiden Extremen der Überidealisierung und Abwertung auszeichnet
  3. Identitätsstörungen: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung
  4. Impulsivität bei mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten, z.B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmißbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren und Fressanfälle (außer Suizid oder Selbstverletzungen, siehe auch 5.
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstverletzungsverhalten; Selbstmordandeutungen oder – drohungen oder Selbstverletzungsverhalten
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z.B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern)
  7. Chronisches Gefühl der Leere oder Langeweile
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Quelle: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen – DSM-IV der APA (1994/1996, S. 739)

Auffällig in der Praxis ist, dass Menschen mit dieser Diagnostik sehr häufig als Kinder traumatischen Situationen durch enge Bezugspersonen ausgesetzt waren in Form von körperlichen Übergriffen und/oder schwerer sozialer Vernachlässigung. Sie haben schneller Angst und fühlen sich schneller abgelehnt und ausgegrenzt als andere. Vor allem suchen sie sehr schnell bei sich nach dem Grund, wenn es anderen Menschen nicht gut geht.

Zur Vertiefung: https://www.spektrum.de/news/borderline-persoenlichkeitsstoerung-emotionaler-ausnahmezustand/1455643

www.borderline-netzwerk.de