Massagen und Berührungen wirken antidepressiv

Spätestens seit dem Kontaktverbot im Rahmen der Corona-Pandemie wurde es vielen Erwachsenen klar: Berührungen sind wichtig. Überlebenswichtig. Sie wirken entspannend und antidepressiv.

Berührungen machen uns nicht nur stark: Der Wunsch nach direktem menschlichen Hautkontakt ist eines unserer grundlegendsten Bedürfnisse. Entzieht man ihn uns, sterben wir. Untersuchungen haben gezeigt, dass Säuglinge ohne menschliche Berührung buchstäblich nicht überleben. Gleich nach der Geburt trägt Hautkontakt dazu bei, dass sich die Temperatur, die Herzfrequenz und die Atmung von Neugeborenen reguliert. Außerdem weinen Babys, die gestreichelt werden, weniger (Ferber, Feldman & Makhoul, 2008). Eine berühmte Studie, die Waisenkinder in Rumänien untersuchte, zeigte, dass Kinder, die nicht berührt wurden, für ihre Altersgruppe ein auffallend niedriges Cortisol- und Wachstumsentwicklungsniveau aufwiesen (Carlson & Earls, 1997).

Das geschieht in unserem Körper, wenn wir berührt werden:

  • Berührungen beruhigen unser Nervensystem, der Herzschlag verlangsamt sich. Sie helfen uns also bei Stress.
  • Bei Berührungen schüttet der Körper Oxytocin aus. Dieses Hormon fördert die emotionale Bindung zu anderen.
  • Studien haben ergeben, dass das Gehirn in Stresssituationen ruhiger wird, wenn einem die Hand gehalten wird. Der Effekt ist am größten, wenn einem ein geliebter Mensch die Hand hält. Aber es funktioniert auch, wenn es ein Fremder ist.
  • Menschliche Berührung senkt den Blutdruck.
  • Berührungen senken den Cortisol-Spiegel im Blut. Cortisol ist unser Stresshormon. Umgekehrt steigt das Risiko für Angst, Stress und Depression, wenn wir nicht berührt werden.

Die Forschung zeigt, dass auch Massagen nachweislich Depressionen lindern, das Immunsystem verbessern und die Aufmerksamkeit steigern (Lindgren, Jacobsson & Lamas, 2014). Wer keine Massagen mag, der kann sich eine gewichtete Therapiedecke kaufen. Therapiedecken werden auch Gewichtsdecken genannt, da sie 12 Kilo schwer sind. Wenn jemand schläft, legt sich das Gewicht der Decke gleichmäßig über den gesamten Körper und umarmt den Schlafenden. Diese Decken wirken wohl wie eine Berührung und helfen gegen Stress, Angst und Schlafstörungen.

Quellen

Jennifer Köllen: Berührungen – Warum wir eingehen, wenn uns keiner streichelt, 17.08.2021 auf 24vita.de

Lenita Lindgren, Maritha Jacobsson, Kristina Lämås: Touch Massage, a Rewarding Experience, Journal of Holistic Nursing: 4/2021 vom 25.04.2014, S. 261-268, online: https://doi.org/10.1177/0898010114531855 [Abruf: 18.08.2021]