Erwachsen gewordene Kinder

Erwachsen gewordene Kinder

In der Öffentlichkeit dazu stehen, psychisch erkrankte Elternteile zu haben?

Die Gründerin der Initiative Katja Beeck ist zunächst offen mit ihrem persönlichen Zugang zum Thema umgegangen, da sie ihn zusammen mit ihrer fachlichen Kompetenz in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Recht, Jugendhilfe, Psychiatrie und Selbsthilfe als hohes Potenzial empfindet. Ihre „Doppelrolle“ (Fachkraft und Mensch mit Selbsterfahrung)

  • verleiht ihr eine hohe Authentizität
  • ermöglicht ihr eine praxisnahe Sichtweise und
  • neue Impulse in die Diskussion zum Thema in die Fachwelt einfließen zu lassen.

Es war ihr wichtig, diese offen zu kommunizieren. Sie wollte ein Zeichen gegen die Stigmatisierung der Kinder und ihrer Familien setzen und andere erwachsen gewordene „Kinder“ dazu ermuntern, ebenfalls das Tabu zu brechen. Immer wieder sprachen sie Klinikleiter, Psychiatriepfleger oder Sozialarbeiter auf Fachtagungen an und erzählten ihr unter vier Augen, dass sie ebenfalls Töchter oder Söhne psychisch erkrankter Eltern sind. Aus Angst,von Menschen aus den eigenen Reihen als „befangen“, „inkompetent“ oder „gestört“ angesehen zu werden, wollten sie nicht, dass dies in ihrem Team bekannt wird.

Leider sind diese Ängste nicht immer unbegründet. Nicht nur psychisch kranke Menschen, sondern auch deren Angehörige können unter „Stigmatisierung“ leiden. Bevor man jemandem, der offen mit seinen persönlichen Erfahrungen umgeht, das Stigma der „eigenen Betroffenheit“ aufdrückt sollte man sich Folgendes bewusst machen: Bei jeder Berufswahl spielt der persönliche Hintergrund eine Rolle. Jede Fachkraft hat eine persönliche Geschichte und muss sich bei der Arbeit mit anderen Menschen der Gefahr einer Übertragung bewusst zu sein und ihr Handeln gut reflektieren. Das macht fachliche Kompetenz aus. Wer eigene, schwierige Lebensumstände und Lebenskrise meistert, kann daraus auch Potenziale entwickeln und diese später im Idealfall in seinen Beruf integrieren.

Prominente erwachsen gewordene 

Zum Glück gibt es mittlerweile prominente Menschen, die bekannt gemacht haben, dass ihre Elternteile psychisch erkrankt waren bzw. sind:

Hape Kerkeling
Der bekannte deutsche Komiker, Entertainer und Sänger hatte eine Mutter, die an Depressionen erkrankte und sich das Leben nahm, als Hape Kerkeling acht Jahre alt war . Sein autobiografischer Roman „Der Junge muss an die frische Luft – Meine Kindheit und ich“ erschien 2016. 2019 wurde sein Buch verfilmt. Hape Kerkeling unterstützt das Projekt „Wellengang“ der Aladin gGmbH in Hamburg, das sich an Familien mit psychisch erkrankten Eltern wendet.

Katharina Ohana
Die Psychologin, Moderatorin, Autorin und Model wuchs mit einer Mutter auf, die an Depressionen litt. Ihr Buch „Ich, Rabentochter“ ist eine Autobiografie.
Interview zu ihrem Buch „Ich, Rabentochter“ im Stern 2006

Heinz Strunk
Der Bestsellerautor wuchs mit einer Mutter auf, die unter Psychosen litt.
Im Interview 2013 mit der Hamburger Morgenpost 

Elisabeth Ruge
Die Verlegerin wuchs mit einer psychisch erkrankten Mutter auf, die an einer bipolaren Störung litt. Ihr Rückhalt war ihre Familie, die sich die Last teilte.
Im Interview mit Luis Lewitan 2012 in der Zeit: „Jeder musste ein wenig von der Last tragen.“
Interview 2013 im tipBerlin: Elisabeth Ruge über das Leben mit psychisch kranken Eltern

Silvia Seidel
Die Schauspielerin – vielen als Kinderstar der Weihnachtsserie „Anna“ bekannt – wuchs mit einer  an Depressionen erkrankten Mutter auf. Diese nahm sich das Leben, als Silvia Seidel 12 Jahre alt war. Leider nahm sich Silvia Seidel 2012 ebenfalls das Leben. Weitere Informationen

Detlef D! Soost
Der erfolgreiche Tänzer, Choreograf, Coach und TV-Moderator, hatte eine Mutter, die an einer bipolaren Störung erkrankt war und starb, als er 13 Jahre alt war. Er wuchs in einem Heim in der DDR auf. 2006 erschien seine Autobiografie „Heimkind – Neger – Pionier. Mein Leben.“