Erstes Modul des Online-Kurses “ Miteinander WACHSEN“ erfolgreich abgeschlossen – Evaluationsergebnisse

Das erste Modul des 2021 von „Netz und Boden“ neu angebotenem Online-Kurs „Miteinander WACHSEN“ zur Persönlichkeitsentwicklung von Erwachsenen, die mit psychisch erkrankten Eltern aufgewachsen sind, wurde im Juni abgeschlossen und anschließend schriftlich evaluiert. Das durchweg positive Feedback der Teilnehmerinnen – alle können den Kurs uneingeschränkt weiter empfehlen – bestärkt die Kursleiterin Katja Beeck in ihrer Idee, diesen Online-Kurs nunmehr regelmäßig anzubieten.

Der Kurs „Miteinander WACHSEN“ besteht aus drei aufeinander aufbauenden Modulen, wobei der Schwerpunkt von Modul 1 auf der Vermittlung und Anwendung stärkender Methoden liegt und die Folgemodule thematische Schwerpunkte haben. Das erste Modul startete im März 2021 voll besetzt mit acht Frauen im Alter von 21 bis 53 Jahren. Diese waren alle berufstätig bzw. eine noch im Studium. Alle Teilnehmerinnen haben sich entschieden, auch am Folgemodul teilzunehmen. Lediglich eine Teilnehmerin hat sich aufgrund von beruflichen Veränderungen bereits während des Kurses verabschiedet.

Alle Teilnehmerinnen gaben an, dass sie bereits von der Teilnahme am ersten Modul des Kurses persönlich sehr profitiert haben. Das machen sie konkret an folgenden Punkten für sich fest (offene Frage, Antworten in Auszügen):

  • sich insgesamt stärker und ausgeglichener als vor Beginn des Seminars zu fühlen,
  • ruhiger und besser als selbst erwartet einen Suizidversuch des Vater überstanden zu haben, den dieser kurz nach Seminarende unternommen hat,
  • dass die Eigenwahrnehmung, durch das Seminar gewachsen zu sein, durch positive Rückmeldungen aus dem Umfeld bestätigt wurden,
  • immer wieder an Themen aus dem Seminar im Alltag zu denken,
  • im Alltag konkrete Methoden aus dem Seminar anzuwenden wie Dankbarkeitsrituale, Misserfolge mit mehr Humor zu begegnen, persönliche Erfolge festzuhalten, Glückstagebuch zu führen,
  • dass ihnen im Alltag mehr einfällt, wofür sie dankbar sind,
  • noch mehr über die eigene Zukunft nachdenken und konkrete Pläne machen, dass sie sich gegenüber anderen, ihnen vorher unbekannten Menschen öffnen konnten,
  • einfacher mit dem erkrankten Elternteil und Freunden über Geschehenes sprechen zu können,
  • sich anderen gegenüber besser vertreten können,
  • neue Lernfelder entdeckt zu haben und verschiedene AHA-Effekte hatten.
  • weitere Fragen mitgenommen haben, denen sie nachgehen wollen,

Als besonders hilfreich im ersten Modul empfanden die Teilnehmerinnen,

  • die Themen sowie die konkreten Anregungen (Methoden) und Impulse, um ihre persönliche Zukunft positiv zu beeinflussen,
  • Menschen mit vergleichbaren Erfahrungen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. In nur acht Treffen online ist es gelungen, ein Gemeinschaftsgefühl und ein Vertrauensverhältnis untereinander aufzubauen.
  • sich Zeit für sich zu nehmen, einmal selbst im Mittelpunkt zu stehen,
  • sich mit Themen zu beschäftigen, die sie zunächst von sich aus als nicht so wichtig erachtet hätten

Am Ende jedes Online-Treffen wurden die Teilnehmerinnen immer wieder angeregt, die für sie wichtigsten Erkenntnisse aus dem Treffen schriftlich für sich festzuhalten und (natürlich freiwillig!) auch mit anderen zu teilen, um sie noch mehr für sich zu verankern. Eine solche schriftliche Reflexionseinheit zum Ende jedes Treffens hielt die Kursleiterin für sehr wichtig. Diese Ansicht deckt sich mit der Wahrnehmung aller Teilnehmerinnen. Diese bekamen für ihre Notizen vorab ein „Wegbegleiter-Buch“ zugesandt. Eine Teilnehmerin schrieb, dass sie vermutlich nicht so viel für sich mitgeschrieben hätte, wenn sie dieses Buch nicht bekommen hätte.

Allen Teilnehmerinnen sind durch die Kursteilnahme ihre Ressourcen noch einmal bewusster geworden. Dazu beigetragen hat u.a. auch, diese einmal schwarz auf weiß zu sehen sowie neue Perspektiven auf die Ressourcen zu bekommen. Ähnliches gilt für persönliche Stärken, denen die Hälfte bewusster geworden ist und der anderen Hälfte eher bewusster geworden ist. Deutlich wurde, dass dieser Prozess Zeit braucht, aber sich damit auseinander zu setzen, Menschen ein gutes Stück weiter bringt.

Es hat sich ergeben, jedes Treffen mit einer kurzen Achtsamkeitsübung zu beginnen. Das wurde zur Einstimmung als sehr hilfreich erlebt und wird daher auch in den Folgekursen beibehalten werden.

Inhaltlich als überflüssig empfanden die Teilnehmerinnen nichts. Vereinzelt gab es zu einzelnen Einheiten konkrete Verbesserungsvorschläge. Dass der abendliche Zeitpunkt des Kurses insbesondere für die „Lerchen“ unter den Teilnehmerinnen eine Herausforderung war, war der Kursleiterin von Anfang an bewusst. Doch die berufstätigen Teilnehmerinnen sahen auch keine zeitlich besser passende Alternative.

In der Gruppe haben sich alle Teilnehmerinnen gut aufgehoben gefühlt und die Stimmung untereinander war sehr gut. Teilnehmerinnen beschrieben sie als „hervorragend“, „angenehm und wertschätzend, teilweise auch lustig“, „sehr anregend und anteilnehmend“, „positiv-aufgeschlossen“, „von mal zu mal immer lockerer und netter“, „einen sehr verständnisvollen Umgang miteinander“ und „sehr positiv, ich glaube, wir sind wirklich ein bisschen zusammengewachsen und ich fand es faszinierend, wie viel wir gemeinsam haben.“ Teilnehmerinnen schätzten, dass es im Kurs immer eine klare und direkte Kommunikation gab und auch eine Atmosphäre, in der man die eigene Meinung und Gefühle einfach äußern konnte sowie hilfreiche Anregungen für persönliche Fragestellungen gab. Dass eine Atmosphäre herrschte, in der Kritik hätte geäußert werden können, verdeutlicht diese Bemerkung in der Evaluation: „Danke Katja für deine wundervolle Arbeit! Ich würde gerne noch mehr konstruktive Kritik äußern, aber ich habe keine.“

Die Vorbereitung durch die Kursleiterin wurde von allen als „gut vorbereitet und strukturiert“ eingeschätzt. Darüber hinaus wurde bei den Anmerkungsmöglichkeiten vermerkt, dass der Aufbau der Themen sehr gut nachvollziehbar, die Stringenz und Auswahl der Themen sehr durchdacht war und trotzdem flexibel auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen eingegangen wurde sowie viel theoretisches Wissen und Erfahrungswissen wahrgenommen wurde. Auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen hat sich die Kursleiterin ausreichend eingestellt. 

Informelle Zwischentreffen spontan eingerichtet – diese haben sich bewährt

Anders als von der Kursleiterin bei der Seminarplanung erwartet, hatten mehr Teilnehmerinnen noch keine Erfahrungen in der Selbsthilfe gesammelt und sich mit anderen betroffenen erwachsen gewordenen Kindern ausgetauscht. Um dem damit verbundenen von der Seminarleitung vermuteten hohen inhaltlichen Austauschbedarf zu begegnen, hat sie sich spontan zum Seminarbeginn entschlossen, allen Teilnehmerinnen einen Raum einzurichten, in dem sie sich unabhängig von ihr als Selbsthilfegruppe treffen können. Ein weiterer Nutzen dieses virtuellen Raums war auch, sich zu treffen, um die erlernten Methoden auszuprobieren und zu verfestigen. Diese unverbindlicheren Treffen wurden unregelmäßig und nicht von allen gleichermaßen genutzt. Die Evaluation ergab jedoch, dass alle, die ihn noch wenig genutzt haben, ihn gerne mehr nutzen wollen und alle, die ihn bereits öfter genutzt haben, ihn als sehr unterstützend wahrgenommen haben: „Für mich war es super, die anderen Teilnehmerinnen noch etwas besser kennen zu lernen. Dadurch hat sich die Vertrautheit intensiviert und man hatte Gelegenheit, sich detaillierter zu unterhalten.“, „Gerade um sich näher über die Erfahrungen mit den erkrankten Elternteilen auszutauschen und die Teilnehmerinnen selbst besser kennen zu lernen, fand ich die Zwischentreffen sehr bereichernd. Und wir hatten immer sehr nette und auch lustige Unterhaltungen.“ Um sich besser untereinander für diese informellen Treffen verabreden zu können und frustrierendes Warten auf andere zu vermeiden, wurde die Gründung einer Whatsapp-Gruppe in der Evaluation angeregt und bereits umgesetzt. Das Angebot dieser Treffen wird für den nächsten Durchgang beibehalten. Sobald mehrere Gruppen die Seminare durchlaufen haben, wird über die Form einer Zusammenführung der einzelnen Gruppen nachgedacht – für ein großes und stärkendes Netzwerk!

Zur Struktur der Teilnehmerinnen

Da die älteste Teilnehmerin (53 Jahre) einmal bemerkte, dass sie sich manchmal „etwas alt in der Gruppe fühlt“, wurde das Thema aufgegriffen. Die Altersunterschiede (21-53 Jahre) wurden ihr allerdings erst bewusst, als sich im Verlauf des Seminars einmal alle mit ihrem Alter vorstellten. Dann wurde das Thema in der Gruppe aufgegriffen. Alle anderen Teilnehmerinnen waren sich einig, dass die Altersunterschiede für sie eher als bereichernd als hinderlich einzuordnen sind, für sie eher eine geringe Rolle spielen. Die Erkrankungen der Eltern der Teilnehmerinnen waren relativ homogen – vor allem Psychosen (Schizophrenie, bipolare Störung) und schwere Depressionen waren seitens der Eltern vorhanden. Weitere Unterschiede in der Gruppe bestanden darin, dass bei manchen die psychisch erkrankten Eltern noch lebten und bei manchen bereits gestorben sind. Auch ob TeilnehmerInnen bereits eine eigene Familie haben oder nicht, ist unterschiedlich, wobei der Anteil der kinderlosen Teilnehmerinnen überwogen hat. Ob diese Unterschiede für eine Teilnahme insgesamt unerheblich sind oder nicht, wird sich voraussichtlich erst in den nächsten Modulen herausstellen, da diese dann thematische Schwerpunkte haben, die für die TeilnehmerInnen unterschiedlich relevant sein könnten.

Ausblick – Start des nächsten Durchgangs mit Modul 1

Das Modul 1 von Miteinander WACHSEN wird voraussichtlich bereits 2021 noch einmal starten. Mit fünf Interessentinnen haben bereits Vorgespräche stattgefunden, die nun auf der Warteliste stehen. Einen konkreten Starttermin gibt es aber noch nicht. Dieser wird den InteressentInnen auf der Warteliste und via Newsletter bekannt gegeben.

InteressentInnen können sich bei Katja Beeck per E-Mail ein kostenloses Vorgespräch formlos am besten per E-Mail vereinbaren: beeck(ät)netz-und-boden.de – bitte eine Rückrufnummer angeben. Das Vorgespräch findet in der Regel tagsüber zwischen 9 und 15 Uhr statt, die Online-Kurse jedoch wieder wie gehabt von 19 bis 21:30 Uhr unter der Woche.

Weitere Informationen zum Kursangebot „Miteinander WACHSEN“