Auswirkungen auf betroffene Kinder

Auswirkungen hängen entscheidend von den konkreten Belastungen des Kindes und dessen Rolle in seiner Familie ab

Kinder psychisch kranker Eltern gelten als Hochrisikogruppe für psychische Krankheiten. Entscheidend für die Auswirkungen auf ein Kind mit psychisch krankem Elternteil sind aber seine konkreten Belastungen. Diese variieren im Einzelfall enorm und werden von bestimmten Schlüsselfaktoren erheblich beeinflusst. Je mehr Schlüsselfaktoren negativ sind (also auch weniger Schutzfaktoren vorhanden sind), desto höher sind die Belastungen des Kindes und je schlechter ist seine Prognose für eine eigene, gesunde Entwicklung. Sind wichtige Faktoren nicht so belastend und verfügt das Kind zusätzlich über entscheidene Schutzfaktoren, wie andere, die den erkrankten Elternteil ergänzen und die Bedürfnisse des Kindes ausreichend erfüllen, kann es sich selbstverständlich auch völlig gesund entwickeln.

Genetische Veranlagung für die psychische Krankheit des Elternteils könnte ererbt sein und könnte durch extreme Stresssituationen aktiviert werden

Für bestimmte psychische Krankheiten wie Schizophrenie, bipolare Störungen (manisch-depressiv) oder bestimmten Formen von Depressionen spielen erbliche Veranlagungen eine Rolle. Die Epigenetik bietet nun auch Erklärungsmodelle wie selbst Traumata vererbt werden können. Bei psychischen Krankheiten handelt es sich jedoch um keine reinen Erbkrankheiten. Es spielen immer auch Lebensereignisse eine entscheidene Rolle, die zur Aktivierung der jeweiligen Krankheit führen. Kinder der Erkrankten haben möglicherweise eine genetische Veranlagung für die gleiche Erkrankung geerbt. Daher sollten die Kinder allein deswegen möglichst wenig stressigen Situationen ausgesetzt werden. Hoch belastende Lebensumstände können dazu führen, dass ererbte Veranlagungen aktiviert und die psychische Krankheit ausbricht.

Belastende Lebensumstände sind oft schon ausreichend für weitreichende Folgen für die Kinder

Doch zum Glück bekommen nicht alle Kinder die gleiche Erkrankung ihrer Eltern. Das bedeutet allerdings nicht, dass die anderen alle gesund bleiben. Denn hoch belastende Lebensumstände könen auch zu anderen psychischen Störungen führen wie Angststörungen und schwerwiegenden Persönlichkeitsstörungen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch darauf hinzuweisen, dass es keine unverletztlichen Kinder gibt. Kinder reagieren oft nur unterschiedlich auf Belastungen.

Wie ein Kind auf Belastungen wie psychischer Krankheit oder Alkoholismus seines Elternteils reagiert, hängt entscheidend von seiner Rolle in seiner Familie ab.

Diese wiederum wird von folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Geschlecht des Kindes
  • Geschwisterposition
  • Temperament des Kindes

Gerade wenn es keinen gesunden Erwachsenen im Familiensystem mehr gibt und die Kinder extremen Belastungen ausgesetzt sind, wird die Rolle, die das Kind inne hat, extrem ausgeprägt. Sie ist dann immer schädlich für die Entwicklung des Kindes.

Rollen der Kinder:

  • Held (übernimmt die Elternrolle und auch die Versorgung des Erkrankten)
  • Schwarzes Schaf (reagiert mit noch höherer Auffälligkeit im Verhalten als der Erkrankte)
  • Stille Kind (zieht sich in seine Welt zurück)
  • Clown/Maskottchen (hält die Familie zusammen, reagiert mit unruhigem-clownhaftem Verhalten)

Leider werden die Auswirkungen auf Kinder, die die Rolle "Held" oder "Stilles Kind" inne haben oftmals unterschätzt. Gerade "Helden", die oft kognitiv weit ihrem Alter voraus sind, reagieren oft erst nach Jahren der Belastung mit extremer Erschöpfung und psychosomatischen Beschwerden.

Literaturempfehlungen

Mehr zu den Risiken extremer Rolleneinnahme, den Chancen angemessener Rolleneinnahme, aber auch zu Unterstützungsansätzen und Potenzialen für die Familie erfahren Sie in der Broschüre "Netz und Boden".

Wenn Sie sich in die Belastungen und das Leid von Kindern einfühlen wollen, die die Rolle "Held" in extremen Maße in ihrer Familie inne hatten und aufgrund ihres Reaktionsmusters als ungefährdet eingestuft wurden, sei die Broschüre "Ohne Netz und Boden" empfohlen.

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Einen guten Überblicksartikel zur Gefährdung von Kindern psychisch kranker Eltern finden Sie hier:
Mattejat/Remschmidt 2008 in der Ärztezeitung.