Wie "Netz und Boden" entstand

"Netz und Boden" ist eng verknüpft mit seiner Gründerin und der Leiterin der Initiative Katja Beeck. Motiviert durch ihre eigenen Erfahrungen als Kind hat sie 1999 getreu ihrem Motto "Mit Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du auch etwas Schönes bauen" diese Initiative ins Leben gerufen. Ihr Ziel war und ist es, betroffenen Kinder "ein Netz und einen Boden" zu schaffen. Nach ihrem Studienende (Frau Beeck hat Medienberatung, Rechtswissenschaftten und Sozialpädagogik studiert und sich im Studium auf den Bereich Öffentlichkeitsarbeit spezialisiert) hat sie auch beruflich zum Thema "Kinder psychisch kranker Eltern" Fuß gefasst und arbeitet sowohl für ihre Initiative "Netz und Boden" als auch für den Berliner Jugendhilfeträger AMSOC e.V., wo sie das Patenschaftsangebot für Kinder psychisch erkrankter Eltern leitet.

Ergebnisse 1999-2004

Auch wenn die Situation von Kindern mit psychisch erkrankten Eltern(teilen) in Deutschland sich insgesamt erst ansatzweise verbessert hat, kann die Initiative auf erste Erfolge zurück blicken:

 

Das Problembewusstsein in der Fachöffentlichkeit, bei Angehörigenorganisationen und in betroffenen Familien hat sich im deutschsprachigen Raum deutlich erhöht: Beispielsweise ist die Thematik dieser Kinder in die Ausbildung der Verfahrenspfleger integriert worden. Außerdem besteht mehr Wissen zu Unterstützungsmöglichkeiten betroffener Kinder und etliche betroffene Kinder fühlen sich nicht mehr in ihrer Situation allein. Dazu haben beigetragen:

  • die Materialerstellung und der Vertrieb von über 4.500 Informationsbroschüren zur Situation und Unterstützungsmöglichkeiten der Kinder für verschiedene Zielgruppen
  • Erstellung eines Notfallplans für betroffene Kinder. Vorbild für diesen Plan ist der einer erwachsenen Tochter aus Australien, die einen solchen für die dortige Organisation für Kinder psychisch kranker Eltern, COMIC, einen ähnlichen Plan ausgearbeitet hat. Der Plan soll noch in einer extra Broschüre publiziert werden. Derzeit ist er in die Lehrerbroschüre und in die aktuelle Auflage von "Netz und Boden. Unterstützung für Kinder psychisch kranker Eltern" integriert.
  • Mehrere Publikationen der Initiatorin in anderen Verlagen bzw. Medien, durch die viele 1000 Menschen aus den Zielgruppen erreicht wurden.
  • die Begleitung von ca. 10 Medienberichte und 8 Diplomarbeiten, für die betroffene erwachsene Kinder oder Famili-en als Interviewpartner vermittelt wurden, einige Diplomarbeiten auch der Initiative für ihre Website als Download zur Verfügung gestellt.
  • die von Katja Beeck durchgeführten Vorträge, Seminare und Workshops auf insgesamt knapp 60 Weiterbildungsveranstaltungen, an denen insgesamt ca. 3.500 Multiplikatoren aus den Zielgruppen teilgenommen haben und über die in den Medien berichtet wurde
  • die Erstellung der Info-Website www.Netz-und-Boden.de, auf die derzeit monatlich bereits ca. 1.800 Menschen zugreifen. Die Website hat bewirkt, dass nun auch immer mehr Menschen aus der Schweiz und Österreich auf die Thematik informieren, was an den Broschüren-Bestellungen via E-mail deutlich wird.
  • die Beratung von schätzungsweise rund 200 Menschen aus den Zielgruppen zu konkreten Problemen in ihrer Familie und zur Projektentwicklung. Auch außergewöhnlichere Beratungen wie die des Regisseurs und der Schauspieler für die Inszenierung des Theaterstücks "Polter, Geist und Ti" am Berliner Caroussel-Theater, bei dem es um ein Kind mit schizophrener Mutter ging, fanden statt. Dadurch konnten die Sichtweisen betroffener Kinder psychisch kranker Eltern berücksichtigt werden und entsprechende Informationen sind ins Begleitmaterial für die Besucher eingeflossen.

Projektentwicklung von präventiv ansetzenden Hilfsprojekten:

  • Gründung der bundesweit ersten Selbsthilfegruppe erwachsener Kinder beim Landesverband Berlin der Angehöri-gen psychisch Kranker e.V. in Berlin, die Katja Beeck zunächst leitet und für die sie 2003 eine fachliche Anleitung organisiert. Letztere fiel mangels Finanzierung kurzfristig 2004 weg, so dass sich die Gruppe offiziell 2004 aufgelöst hat, inoffiziell bestehen untereinander weiterhin informelle Kontakte. Ein Neustart der Gruppe ist geplant.
  • 2002 Projektberatung und Initiierung einer zweiten und dritten angeleiteten Gruppe für erwachsene Kinder bei der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle Gropiusstadt in Berlin
  • Initiierung und Beratung von Gruppen für erwachsene Kinder bzw. deren (potentieller) Gründer in vier anderen Städten in Deutschland.
  • Seit Juni 2002 bietet die Initiative die virtuelle Selbsthilfegruppe für erwachsene Kinder an, der derzeit über 50 erwachsene Kinder psychisch kranker Eltern aus Deutschland angehören.
  • 2002-2004 Initiierung von spezieller Familienhilfe und eines Gruppenangebots für minderjährige Kinder psychisch erkrankter Eltern beim Berliner Jugendhilfeträger AMSOC e.V..
  • 2003-04: Konzeption und erfolgreiche Finanzmittel-Akquise von insgesamt 250.000 Euro für das Patenschaftsprojekt für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter Eltern für den Berliner Jugendhilfeträger AMSOC e.V..
  • 2004 Kontaktaufnahme zu Trägern, die Kuren für Mütter und Ehefrauen psychisch Kranker anbieten und Angebot, spezielles Konzept für erwachsene Kinder zu entwerfen, was bis dato noch nicht aufgegriffen wurde.

Ein erstes Netzwerk ist entstanden:

  • Durch ihr Engagement hat Frau Beeck einen Verteiler aufbauen können und kennt viele Menschen, die sich für das Thema interessieren und engagieren (ca. 200 Fachleute und 80 erwachsene Kinder). Dadurch konnte sie vielen Menschen (wurden nie genau gezählt, vielleicht 150?) aus den Zielgruppen gezielte Ansprechpartner vermitteln oder potentielle Kooperationspartner zueinander bringen. Es kam vor, dass sich Menschen, die in der Nähe wohnten, nichts von ihrem Engagement wussten.
  • Ãœber die "Post-it-Möglichkeit" der Website der Initiative und die Mailingliste konnten sich vor allem erwachsene Kinder finden, die sich nun auch persönlich vor Ort austauschen.
  • Ein Netzwerküberblick über die Projekte, die spezielle Hilfe für betroffene Kinder anbieten, ist auf der Website der Initiative einsehbar sowie in einer der Broschüren enthalten.
  • Zwei deutschlandweite Treffen erwachsener Kinder haben stattgefunden, wovon eines vollständig von der Initiative organisiert wurde.
  • 2004 konnten erste Kontakte nach Australien und den USA aufgebaut werden. Ein erster fachlicher Austausch fand statt und Material konnte gesichtet werden.
  • 2004 hat die Initiative auf einem Treffen der speziellen Hilfsprojekte für Kinder psychisch kranker Eltern angeregt, die Deutschlandebene gemeinsam auszubauen. Diese Idee wird auf dem Treffen im April 2005 in Leipzig ein zentraler Diskussionspunkt werden.

Entwicklung der Initiative

2013   
2009  
  • "Netz und Boden" arbeitet als Partner im zwei Jahre dauernden EU-Projekt "Kids strengths" mit und regt u.a. die Inplementierung des Themas Kinder psychisch kranker Eltern in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften unterschiedlicher Professionen an. Außerdem werden Notfallbriefe für Kinder psychisch kranker Eltern als praktisches Unterstützungsinstrument der Kinder entwickelt und in Deutschland bereits vorhandene Ideen zur Unterstützung der Kinder in anderen europäischen Ländern bekannt gemacht.
 
2004  
  • 3. Broschüre: "Kinder psychisch kranker Eltern - Ein Thema für die Schule!"
  • Nominierung von Katja Beeck für ihr persönliches Engagement für den Ehrenpreis der Kinder- und Jugendstiftung Berlin
  • Vorschlag der Initiative für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2004
  • 31. 3. Auszeichnung der Initiative mit dem Janssen-Cilag Zukunftspreis 2004
  • Fertigstellung der Konzeption für ein Patenschaftsprojekt für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter Eltern in Berlin in Kooperation mit AMSOC e.V.
 
2003  
  • Nov. Webauftritt mit neuem, erstem "richtigen" Layout
  • Beginn Kooperation mit dem Jugendhilfeträger AMSOC e.V.: Unterstützung bei der Konzeption spezieller Gruppen und Familienhilfe für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter Eltern
  • 2. Broschüre mit Erfahrungsberichten mittlerweile erwachsener Kinder veröffentlicht
  • deutschlandweites Treffen erwachsener Kinder in Berlin organisiert
  • Studienabschluss: Diplom-Medienberaterin mit Vertiefung in Rechtswissenschaften Schwerpunkt: Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen
  • Diplomarbeit: Der Weg ins Netz - Konzeption einer Internet-Präsenz zum Thema "Kinder psychisch kranker Eltern"
 
2002  
  • Teilnahme am Wettbewerb Ideen bewegen der Jugend- und Familienstiftung Berlin
  • Gründung der virtuellen Selbsthilfegruppe im Internet
  • Leitung des ersten bundesweiten Treffens erwachsener Kinder
  • Taufe des Engagements auf den Namen
    "Netz und Boden" - Initiative für Kinder psychisch kranker Eltern
  • Mietung der Website www.Netz-und-Boden.de
 
2001  
  • Bewertung des Projektkonzepts als top 7 % von 2000 Projekten im bundesweiten Wettbewerb "startsocial"
  • Gründung der bundesweit ersten Selbsthilfegruppe erwachsener Kinder in Berlin, der sie bis heute selbst angehört
 
2000  
  • Erste Auflage der Broschüre "Ohne Netz und ohne Boden", die mittlerweile 9mal aktualisiert über 3000mal privat verkauft
 
1999  
  • Erster öffentlicher Vortrag von Katja Beeck zur Thematik auf Fachtagung in der Evang. Akademie Bad Boll (mittlerweile rund 100 Fortbildungen durchgeführt)
 
1998  
  • Erste Publikation von Katja Beeck noch unter einem Pseudonym zur Thematik
 

Qualität der erbrachten Leistungen

Es ist sind die Rückmeldungen und die Dankbarkeit betroffener (erwachsenen) Kinder, die von Familienangehörigen betroffener Kinder und die von Fachleuten, die Katja Beeck berät oder weiter bildet, die sie immer wieder ermutigt haben, ihr Engagement fortzuführen. Viele Rückmeldungen bekam sie in persönlichen Gesprächen, in Briefen oder per E-Mail ohne den ausdrücklichen Hinweis, dass diese veröffentlicht werden dürfen. Einen ganz kleinen Ausschnitt finden Sie hier.

Seit 2003 bittet Frau Beeck die Veranstalter von Weiterbildungen, ihr eine Referenz auf der Grundlage des Feedbacks der Teilnehmer auszustellen. Diese sind teilweise hier einsehbar.

Für die Qualität von Frau Beecks Engagement spricht außerdem, dass einer der Hauptfinanciers des Berliner Patenschaftsprojekts, die Hermann Reemtsma Stiftung, ihre Zusage zum Projekt an die Bedingung gebunden hat, dass Frau Beeck im Projekt mitarbeitet.

Zum Zugang zum Thema

Frau Beeck ist zunächst offen mit ihrem persönlichen Zugang zum Thema umgegangen, da sie ihn zusammen mit ihrer fachlichen Kompetenz in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Recht, Jugendhilfe, Psychiatrie und Selbsthilfe als hohes Potenzial empfindet. Ihre "Doppelrolle" (Fachkraft und Mensch mit Selbsterfahrung)

  • verleiht ihr eine hohe Authentizität
  • ermöglicht ihr eine praxisnahe Sichtweise und
  • neue Impulse in die Diskussion zum Thema in die Fachwelt einfließen zu lassen.

Es war ihr wichtig,, dies offen zu kommunizieren. Sie wollte ein Zeichen gegen die Stigmatisierung der Kinder und ihrer Familien setzen und andere erwachsene Kinder dazu ermuntern, ebenfalls das Tabu zu brechen. Immer wieder sprachen sie Klinikleiter, Psychiatriepfleger oder Sozialarbeiter auf Fachtagungen an und erzählten ihr unter vier Augen, dass sie ebenfalls Töchter oder Söhne psychisch erkrankter Eltern sind. Aus Angst,von Menschen aus den eigenen Reihen als "befangen", "inkompetent" oder "gestört" angesehen zu werden, wollten sie nicht, dass dies in ihrem Team bekannt wird.

Leider sind diese Ãngste nicht immer unbegründet. Nicht nur psychisch kranke Menschen, sondern auch deren Angehörige können unter "Stigmatisierung" leiden. Bevor man jemandem, der offen mit seinen persönlichen Erfahrungen umgeht, das Stigma der "eigenen Betroffenheit" aufdrückt sollte man sich Folgendes bewusst machen: Bei jeder Berufswahl spielt der persönliche Hintergrund eine Rolle. Jede Fachkraft hat eine persönliche Geschichte und muss sich bei der Arbeit mit anderen Menschen der Gefahr einer Ãœbertragung bewusst zu sein und ihr Handeln gut reflektieren. Das macht fachliche Kompetenz aus. Wer eigene, schwierige Lebensumstände und Lebenskrise meistert, kann daraus auch Potenziale entwickeln und diese später im Idealfall in ihren Beruf integrieren.